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Gruppenausstellung mit Ingo Gerken, Timo Klöppel und Isa Melsheimer

Ausstellung: 02. Februar - 09. März 2013
Ort: Espace Surplus, Torstr. 224, 2. Hof, 10115 Berlin
Öffnungszeiten: Fr 17-19 Uhr und Sa 12-18 Uhr und nach Vereinbarung

Ein Parcours

I.
Eine Konstruktion wie ein erstarrtes dynamisches Moment beherrscht den Raum: eine dünne Rundsäule aus Beton, grau und schmucklos; die Stange. Sie stützt die Decke, hält den Raum unter dem feinen Stuck zusammen und winkt damit dezent hinaus, wo vor dem Fenster sich ein Gerüst verzweigt.
Gradlinig bildet sie die Vertikale der Ausstellung, das erste Maß des Außenraums einer noch zu gestaltenden Welt. Und um diese Maßstäblichkeit zu betonen hat die Künstlerin Isa Melsheimer eine Topfpflanze dazugestellt, in respektvollem Abstand zwar – aber damit ist die Welt der Säule schon bevölkert und bewohnt. Stange und Pflanze schaffen ihren eigenen Raum in der Vertikale.

II.
Die zweite Dimension folgt mit Gewicht. Möglichkeitsform nennt Ingo Gerken seinen Raum, der Melsheimers Vertikale die Horizontale hinzufügt. Eine Wettkampfsporthantel, ein Ungetüm, das schwer am Boden ruht, 189 Kilogramm. Auch dem Gewicht ist, ähnlich der Pflanze im ersten Raum, mit der Neonleuchte in ungefährer Höhe ein Gegenüber beigegeben. Formal bilden sie gemeinsam ein Trapez. Die Leuchte ist das Leichte, mit ihrem Licht und ihrer Luftigkeit scheint sie die Hantel hochzuziehen, als schwebten beide.
Und dieses Schweben hält genau jenen Moment fest, den die Installation beschreibt: das Noch-Nicht des nächsten Weltrekords. Das Kilo mehr, das die Möglichkeit gegenüber der Wirklichkeit auszeichnet.

III.
Der Weg führt über einen Knick im Raum. Die Eckarbeit kündigt die Intimität schon an, das Subjektive schlägt dem Blick entgegen – teils Spiegel, teils Miniaturlandschaft. Nachdem sie die Koordinaten einer Welt gesetzt haben, gehen Melsheimer (Landschaft) und Gerken (Spiegelwände) in die Tiefe. Dort, in der dritten Dimension begegnet der Betrachter einmal sich selbst und dann den Unwägbarkeiten dieser neuen Welt: scharfen Splittern und abschüssigen Abgründen. Vielleicht ist aber Melsheimers Anordnung auf kleinstem Raum auch nur der Blick hinter den Spiegel, das Subjekt sieht in sich selbst hinein und schaudert.

IV.
Ist aber diese subjektive Hürde doch genommen, gelangt man zu dem Kern der Räume. Vielleicht aber auch zum Jenseits allen Subjektiven, zum Raum im Raum, der sich erst öffnet, wenn man sich selbst zurückgelassen hat.
Eine Sackgasse, nicht durchschreitbar, nur teilweise betretbar, blendend silbern. Timo Klöppel folgt einer Obsession, hebt Dimensionen auf, in einer Zelle, die mit Silberfolie ausgeschlagen, kein unten, oben, rechts und links mehr zu kennen scheint, zwischen Durchblick und Ausblick. Ein Sanktuarium, das nicht schützt und nur als Utopie erscheint, der Raum als noch zu begehender Weg – und zugleich Warnung vor dem Ich als Spiegelkabinett.

Gelangt man über Umwege auf die Rückseite der Spiegel, wartet die Rettung als Koordinatenkreuz aus Nord und Süd und Ost und – M.

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A Track

I.
A solidified dynamic construction reigns the space: a thin circular concrete post, grey and unadorned; the pole. It supports the ceiling, keeps the whole space underneath the fine stucco together meanwhile saluting the framework outside the gallery windows.
The pole is the vertical of the exhibition, the first measure of an outer space still to be formed. Its scale character is further emphasized by the artist Isa Melsheimer by the positioning of a potted plant. The plant holds its distance but also remains part of the pole's world – and thus between them pole and plant establish a new order of verticality.

II.
The second spatial dimension follows with weight. The artist Ingo Gerken calls it also the space of the subjunctive. It adds the horizontal to Melsheimer's vertical. The weight, a monster, burdens the floor with 189 kilos. Like the pole has its plant so the weight is accompanied by a neon lamp. It hangs above in uncertain height so the whole looks like trapeze. The lamp, its lightness and weightlessness seem to lift the weight.
This floating moment, weight lifted by light, is the time of the subjunctive: It is not yet, but someday it could be, the next world record. Between real and potential there just one kilo.

III.
The path leads to a bend. The corner prefigures the intimacy and subjectivity to come. Setting the vertical and the horizontal of the new world Melsheimer (miniature landscape) and Gerken (mirrors) open the way into the depth. There in the third dimension the subjects meets itself and the path is rough: sharp edges and steep abysses. The look behind the mirror reveals imponderability and shudder.

IV.
What follows is the core as transit space of subjectivity, the room beyond. A dead end, what looks like a passage proves to be inaccessible. Timo Klöppels silvery obsession is an all-dimensional structure, no longer spatial entity, a tunnel into nowhere. The empty sanctuary has nothing to protect and its alluring mirroring walls should be a warning to all subjectivity. The gaze reaches the far end where something lies behind a closed door. What seems to come is golden and unknown.

Making a detour one arrives on the other side of the mirroring space. There only, high above, there is a marker: North, South, East – M.

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Isa Melsheimer, Stange, 2013
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Ingo Gerken, Raum mit Gewicht
(Möglichkeitsform), 2013
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Isa Melsheimer/Ingo Gerken
Rest/o.T./Hinterster Winkel
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Timo Klöppel, o.T., 2013